Die Kraft des Urklangs im Yoga
Meine erste Begegnung mit AUM
Meine erste Begegnung mit dem Klang AUM liegt viele Jahre zurück.
Damals trainierte ich in einem Fitnessstudio. Während meines Trainings hörte ich hinter einer geschlossenen Tür plötzlich einen Klang, den ich bis dahin noch nie bewusst wahrgenommen hatte.
Mehrere Stimmen tönten gemeinsam:
Oooooooohhhhhmmmmmm.
Ich weiß heute nicht mehr, welche Übungen ich an diesem Tag gemacht habe oder wie mein Training verlaufen ist.
Doch an diesen Klang kann ich mich bis heute erinnern.
Er kam mir fremd vor.
Ungewohnt.
Irgendwie geheimnisvoll.
Und gleichzeitig hatte er etwas Faszinierendes.
Damals konnte ich noch nicht verstehen, warum Menschen gemeinsam einen solchen Laut tönen.
Heute, viele Jahre später, hat sich mein Blick darauf vollkommen verändert.
Mittlerweile gehört AUM zu meinen eigenen Yogastunden. Gemeinsam mit meinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern tönen wir zu Beginn und am Ende der Praxis.
Manchmal muss ich dabei schmunzeln und an diesen Moment im Fitnessstudio zurückdenken.
Denn wer hätte damals gedacht, dass genau dieser Klang mich eines Tages auf meinem eigenen Yogaweg begleiten würde?
Vielleicht geht es vielen Menschen ähnlich.
Manches wirkt zunächst ungewohnt oder fremd.
Doch wenn wir uns darauf einlassen, entdecken wir oft etwas Wertvolles dahinter.
Für mich ist AUM heute kein merkwürdiger Laut mehr.
Es ist eine Einladung.
Zum Ankommen.
Zum Durchatmen.
Zum Verbinden.
Mit uns selbst und mit den Menschen, die diesen Moment mit uns teilen.
Der Klang, der uns verbindet
Kennst Du diesen besonderen Moment zu Beginn oder am Ende einer Yogaeinheit?
Die Augen sind geschlossen.
Der Atem wird ruhiger.
Die Gedanken werden leiser.
Und dann ertönt ein gemeinsames:
Aaaaaaaaa – Uuuuuuuu – Mmmmmmmmm.
Ein Klang.
Ein Atem.
Ein gemeinsames Schwingen.
Für Außenstehende wirkt dieses Ritual manchmal ungewöhnlich. Für viele Yogis gehört das Tönen von AUM zu den berührendsten Momenten einer Yogastunde.
Doch warum tönen wir überhaupt?
Woher stammt dieser Klang?
Welche Bedeutung steckt dahinter?
Und warum berührt er Menschen auf der ganzen Welt seit Jahrtausenden?
Begleite mich auf eine Reise zum Ursprung eines der ältesten und kraftvollsten Klänge der Menschheit.
OM oder AUM – Was ist eigentlich richtig?
Die meisten Menschen kennen den Klang als OM.
Im Sanskrit wird er ursprünglich jedoch als AUM beschrieben.
Das berühmte Symbol ॐ steht für diesen heiligen Laut, der bereits in den ältesten vedischen Schriften Indiens erwähnt wird.
Im Laufe der Zeit wurde aus AUM im alltäglichen Sprachgebrauch häufig OM.
Beides ist richtig.
Die ursprüngliche Schreibweise AUM hilft jedoch dabei, die tiefere Bedeutung zu verstehen. Denn jede einzelne Silbe trägt eine eigene Symbolik.
Die Bedeutung der drei Silben
A – Der Anfang
Der Laut A entsteht tief im Bauchraum.
Er symbolisiert:
✨ Geburt
✨ Entstehung
✨ Schöpfung
✨ Neubeginn
In der yogischen Philosophie steht A für den Wachzustand und für die sichtbare Welt, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen.
U – Das Leben
Der Laut U bewegt sich durch Brustkorb und Kehle.
Er symbolisiert:
✨ Wachstum
✨ Entwicklung
✨ Bewegung
✨ Verbindung
Er steht für den Weg zwischen Anfang und Ende, für das Leben selbst und für die vielen Erfahrungen, die wir auf unserem Weg sammeln.
M – Das Loslassen
Der Laut M schwingt besonders stark im Kopfbereich.
Die Lippen schließen sich.
Der Klang wird immer feiner.
Er symbolisiert:
✨ Vollendung
✨ Transformation
✨ Loslassen
✨ Rückkehr zur Stille
In den alten Schriften steht er für den Zustand tiefster Ruhe.
Die vierte Dimension – Die Stille
Die alten Upanishaden beschreiben nicht nur A, U und M.
Sie sprechen auch von dem Raum danach.
Von der Stille.
Jenem kostbaren Moment, in dem der Klang bereits verklungen ist und dennoch nachwirkt.
Die Mandukya Upanishad beschreibt diese Stille als einen Zustand reinen Bewusstseins.
Einen Raum jenseits von Denken, Träumen und Schlafen.
Vielleicht liegt genau hier das eigentliche Geschenk des AUM.
Nicht nur im Klang selbst.
Sondern auch in der Stille, die daraus entsteht.
Der Klang der Schöpfung
In der yogischen Tradition gilt AUM als die Urschwingung des Universums.
Die alten Weisen Indiens beschrieben AUM als den Klang, aus dem alles entstanden ist.
Als die Schwingung, die allem Leben zugrunde liegt.
Eine wunderschöne Theorie besagt, dass AUM dem Klang ähnelt, der entsteht, wenn sich die Erde und das Universum bewegen.
Wissenschaftlich lässt sich das nicht eindeutig beweisen.
Dennoch fasziniert mich dieser Gedanke.
Denn moderne Physik und alte spirituelle Traditionen treffen sich an einem spannenden Punkt:
Alles im Universum schwingt.
Jedes Atom.
Jede Zelle.
Jeder Stern.
Jeder Mensch.
Wenn wir AUM tönen, stimmen wir uns symbolisch auf diese universelle Schwingung ein.
Nicht als Beweis.
Sondern als Erfahrung.
Das Geheimnis hinter dem Symbol ॐ
Fast jeder, der schon einmal mit Yoga in Berührung gekommen ist, hat dieses Symbol gesehen.
Es schmückt Yogastudios, Yogamatten, Schmuckstücke und unzählige Bücher über Yoga und Meditation.
Doch nur wenige Menschen wissen, welche Bedeutung sich dahinter verbirgt.
In der yogischen Tradition steht das Symbol für weit mehr als nur den Klang AUM.
Jeder Teil des Zeichens hat eine eigene Bedeutung.
Die große untere Kurve symbolisiert den Wachzustand.
Die mittlere Kurve steht für den Traumzustand.
Die obere Kurve repräsentiert den Tiefschlaf.
Über diesen drei Ebenen befindet sich ein Halbkreis und darüber ein Punkt.
Der Punkt symbolisiert den Zustand reinen Bewusstseins.
Der Halbkreis darunter steht für Maya, die Illusion oder die Schleier des Alltags, die uns oft daran hindern, unsere wahre Natur zu erkennen.
So erinnert uns das Symbol ॐ daran, dass es im Leben mehr gibt als unsere Gedanken, Sorgen und täglichen Aufgaben.
Es erinnert uns an die Möglichkeit, immer wieder in Kontakt mit unserem inneren Wesen zu kommen.
AUM als Brücke zwischen Tradition und moderner Yogapraxis
Viele moderne Yogalehrerinnen und Yogalehrer haben dazu beigetragen, die Bedeutung von AUM für unsere heutige Zeit verständlich zu machen.
Tanja Seehofer , meine Yin Yoga Ausbildnerin, beschreibt Mantras und Klänge als eine Möglichkeit, den Geist aus dem ständigen Denken herauszuführen und wieder mehr im Herzen anzukommen.
Gerade in einer Zeit voller Reizüberflutung, Leistungsdruck und permanenter Erreichbarkeit kann das bewusste Tönen eines einzigen Lautes helfen, wieder Verbindung zu sich selbst aufzunehmen.
Auch Mady Morrison erklärt AUM auf eine sehr zugängliche Weise.
Für sie muss niemand an spirituelle Konzepte glauben, um von der Wirkung zu profitieren.
Bereits die bewusste Atmung, die Vibration des Klanges und die gemeinsame Aufmerksamkeit können eine spürbare Veränderung bewirken.
Diese Sichtweise gefällt mir besonders gut.
Yoga darf erlebt werden.
Niemand muss etwas glauben.
Jeder darf selbst erfahren, was der Klang im eigenen Körper und Geist verändert.
AUM und die Energie des Lebens
Die Begründerin des modernen Hormon Yoga, Dinah Rodrigues, spricht in ihrer Arbeit immer wieder über die Bedeutung von Prana, unserer Lebensenergie.
Auch wenn AUM im Hormon Yoga nicht im Mittelpunkt steht, lässt sich eine wunderbare Verbindung herstellen.
Jede Form von bewusster Atmung, Konzentration und Klangarbeit beeinflusst unseren Energiefluss.
In der yogischen Tradition gilt Klang als Schwingung.
Und Schwingung ist Energie.
Wenn wir AUM tönen, erzeugen wir nicht nur einen hörbaren Ton.
Wir erzeugen eine Vibration, die durch unseren gesamten Körper wandert und entlang der ganzen Wirbelsäule zu spüren ist.
Viele Menschen berichten dabei von einem Gefühl von Wärme, Weite, Ruhe oder innerer Lebendigkeit.
Was passiert in unserem Körper beim Tönen?
Spannend ist, dass die moderne Wissenschaft mittlerweile einige Wirkungen des AUM Tönens untersucht hat.
Studien deuten darauf hin, dass die beim Tönen entstehenden Vibrationen beruhigend auf das Nervensystem wirken können.
Besonders interessant ist dabei der Vagusnerv.
Dieser Nerv spielt eine zentrale Rolle für Entspannung, Regeneration und emotionale Ausgeglichenheit.
Viele Menschen berichten nach dem Tönen von:
🌿 tiefer Entspannung
🌿 mehr innerer Ruhe
🌿 besserer Konzentration
🌿 einem Gefühl von Sicherheit und Verbundenheit
🌿 mehr Präsenz im gegenwärtigen Moment
Warum fühlt sich AUM so gut an?
Der Klang wandert durch den gesamten Körper.
Beim A schwingt vor allem der Bauchraum.
Beim U der Brustkorb.
Beim M Kopf, Gesicht und Nasennebenhöhlen.
So entsteht eine Art innere Klangmassage.
Viele Teilnehmer meiner Yogastunden beschreiben das Gefühl als:
„Es kribbelt angenehm.“
„Mein Kopf wird frei.“
„Ich fühle mich plötzlich ganz ruhig.“
„Irgendwie bin ich angekommen.“
Vielleicht liegt die Kraft von AUM genau darin:
Wir können den Klang nicht nur hören.
Wir können ihn fühlen.
Warum wir in meinen Yogastunden zu Beginn und am Ende AUM tönen
Viele Menschen glauben, dass AUM ausschließlich am Ende einer Yogastunde getönt wird.
In meinen Stunden tönen wir sowohl zu Beginn als auch zum Abschluss der Praxis.
Am Anfang hilft uns AUM dabei, den Alltag bewusst hinter uns zu lassen.
Der Arbeitstag darf enden.
Die To Do Liste darf warten.
Die Sorgen dürfen für einen Moment in den Hintergrund treten.
Mit jedem Atemzug kommen wir mehr auf unserer Matte an.
Am Ende der Stunde erfüllt AUM eine andere Aufgabe.
Dann unterstützt uns der Klang dabei, die Erfahrungen der Praxis zu integrieren.
Der Körper durfte sich bewegen.
Der Geist durfte zur Ruhe kommen.
Das Nervensystem durfte regulieren.
Das gemeinsame Tönen bildet einen bewussten Übergang zurück in den Alltag.
Wenn Fremde plötzlich zu einer Gemeinschaft werden
Einer meiner Lieblingsmomente in Yogastunden ist das gemeinsame AUM.
Denn oft sitzen Menschen nebeneinander, die sich vorher noch nie begegnet sind.
Menschen unterschiedlichen Alters.
Mit unterschiedlichen Berufen.
Mit unterschiedlichen Geschichten.
Mit unterschiedlichen Herausforderungen.
Und doch geschieht etwas Faszinierendes.
Für einen Moment atmen alle gemeinsam.
Alle schwingen gemeinsam.
Alle erzeugen denselben Klang.
Der Atem wird synchron.
Die Aufmerksamkeit richtet sich auf denselben Augenblick.
Der Klang erfüllt den Raum.
Für diesen Moment spielt es keine Rolle, welchen Beruf jemand hat, wie alt jemand ist oder welche Sorgen ihn beschäftigen.
Wir werden zu einer Gemeinschaft von Menschen, die sich bewusst Zeit für ihre Gesundheit, ihre Entwicklung und ihr Wohlbefinden nehmen.
Vielleicht ist genau das eine der schönsten Botschaften des Yoga.
Wir müssen nicht gleich sein, um miteinander verbunden zu sein.
Häufige Vorurteile gegenüber dem Tönen von AUM
Wenn Menschen das erste Mal eine Yogastunde besuchen, begegnen sie dem gemeinsamen Tönen oft mit einer gewissen Skepsis.
Das ist völlig verständlich.
Mir ging es schließlich selbst nicht anders.
„Ist das nicht etwas Religiöses?“
Die Wurzeln von AUM liegen zwar in den spirituellen Traditionen Indiens, doch das Tönen selbst ist keine religiöse Handlung.
Niemand muss einer bestimmten Glaubensrichtung angehören, um AUM zu praktizieren.
Viele Menschen erleben das Tönen einfach als Atemübung, Entspannungstechnik oder Möglichkeit, bewusst im Moment anzukommen.
„Ich kann das nicht.“
Manche Teilnehmer sind zunächst unsicher, weil sie glauben, nicht singen zu können.
Die gute Nachricht lautet:
Beim AUM gibt es kein Richtig oder Falsch.
Es geht nicht um musikalische Perfektion.
Es geht darum, den eigenen Atem wahrzunehmen und den Klang entstehen zu lassen.
„Das ist mir peinlich.“
Gerade Menschen, die zum ersten Mal Yoga ausprobieren, fühlen sich manchmal unsicher.
Doch oft geschieht etwas Überraschendes.
Sobald die Gruppe gemeinsam beginnt zu tönen, verschwindet diese Unsicherheit erstaunlich schnell.
„Ich muss daran glauben.“
Nein.
Yoga ist ein Erfahrungsweg.
Du musst nicht an Energie, Chakren oder spirituelle Konzepte glauben, um von den positiven Wirkungen zu profitieren.
Du darfst neugierig sein.
Du darfst ausprobieren.
Und Du darfst selbst entscheiden, welche Bedeutung AUM für Dich persönlich hat.
„Das klingt seltsam.“
Ja, vielleicht.
Zumindest beim ersten Mal.
Auch ich konnte mit diesem Klang zunächst wenig anfangen.
Heute gehört er zu den wertvollsten Ritualen meiner Yogapraxis.
Die Weisheit der Yogatradition
Auch Yoga Vidya beschreibt AUM als die Urschwingung des Universums.
Die drei Silben stehen für Entstehen, Leben und Vergehen.
Für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Für Körper, Geist und Seele.
Und letztlich für die Einheit allen Lebens.
Dieser Gedanke begleitet Yogapraktizierende seit Jahrtausenden und erinnert uns daran, dass wir Teil von etwas Größerem sind.
Warum AUM gerade heute so wertvoll ist
Peter Pöckh. mein Lehrer meiner Yogatherapie Ausbildung, betont immer wieder die enge Verbindung von Atem, Bewusstsein und innerer Wahrnehmung.
Genau darin liegt für mich die besondere Bedeutung von AUM.
Wir leben in einer Welt voller Informationen, Termine und Ablenkungen.
Unser Geist springt oft zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her.
AUM lädt uns ein, wieder im gegenwärtigen Moment anzukommen.
Nicht morgen.
Nicht gestern.
Sondern jetzt.
Mit einem Atemzug.
Mit einem Klang.
Mit einem Moment bewusster Präsenz.
Fazit
AUM ist weit mehr als ein Klang.
Es ist Symbol für Anfang, Leben, Wandel und Stille.
Es verbindet jahrtausendealte Weisheit mit modernen Erkenntnissen über Entspannung, Nervensystem und Wohlbefinden.
Es erinnert uns daran, bewusster zu atmen.
Präsenter zu leben auch wenn im Alltag nicht immer gelingt.
Und wieder mehr bei uns selbst anzukommen.
Wenn wir gemeinsam AUM tönen, entsteht etwas, das größer ist als jeder Einzelne von uns.
Ein Moment der Achtsamkeit.
Ein Moment der Verbundenheit.
Ein Moment von Herz und Hirn.
Und vielleicht tönen wir genau deshalb zu Beginn und am Ende einer Yogastunde um genau diesen einen Moment zu zelebrieren
Aaaaaaaaa – Uuuuuuuu – Mmmmmmmmm.
Und lauschen danach der Stille. 🙏🧡
Herz 💖 und Hirn, dreht sich alles um Stressmanagement, Yoga (Gesundheitsyoga & Hormonyoga)
Vielleicht hat Dich dieser Artikel berührt oder etwas in Dir angestoßen.
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